in puncto dzb lesen - 03 / 2026
Ausgabe 03 / 2026
Editorial
Liebe Leserinnen und Leser,
Neuerungen wirken zu Beginn oft fremd – weil man sich an das Vertraute gewöhnt hat. Das Bekannte gibt Sicherheit und Orientierung. Doch warum aus Gewohnheit am Altbewährten festhalten, wenn das Neue viel besser geht? Wir haben uns von unserer alten Datenbank in der Braillebibliothek getrennt. Die Umstellung auf ein neues System bringt sowohl für uns als auch für Sie spürbare Vorteile. Erfahren Sie mehr darüber in dieser Ausgabe!
Wer Hörbücher über die dzb lesen-App herunterlädt, hat vielleicht schon den neuen, besonders einfachen Abspielmodus entdeckt. Mit seiner reduzierten Playeransicht eröffnet er Menschen, die sich weniger mit Technik auskennen, einen noch leichteren Zugang zu ihren Hörmedien. Mehr zu dieser Neuerung lesen bzw. hören Sie im Folgenden!
Sie kennen sie als Produzenten sowie Moderatoren von „Radio dzb lesen“: Tabea Soergel und Martin Becker. Wussten Sie aber auch, dass beide gemeinsam zwei spannende historische Kriminalromane geschrieben haben? Wir stellen Ihnen Tabea Soergel und Martin Becker im Interview vor.
Freuen Sie sich außerdem auf unseren Techniktest: In dieser Ausgabe nehmen wir Apps zur Bestimmung von Pflanzen unter die Lupe. Und natürlich erwartet Sie das Gewinnspiel zum Reliefkalender 2027 „Leben in der Tiefsee“. Ich hoffe, ich konnte Sie etwas neugierig machen und wünsche Ihnen viel Freude beim Lesen.
Ihre Gabi Schulze
Redakteurin „in puncto dzb lesen“
Im Fokus
Braillebücher mit Barcode und andere Neuerungen in der Brailleausleihe
Nina-Kathrin Behr, Leiterin der Bibliothek im dzb lesen, führt uns in ein ganz besonderes Reich: ein Magazin mit meterhohen Regalen – ein stiller Ort, an dem man das leise Rascheln der Bücher hören kann. Der Raum ist lichtdurchflutet und hell. In den Regalen reihen sich Rücken an Rücken Braillebücher mit Ringbindung. „Hier stehen unsere aktuellsten Braillebücher. Auf jedem Exemplar ist ein Barcode angebracht“, erklärt die Leiterin. Sie bleibt kurz stehen und zeigt uns den Code auf dem Buch. „Mit der Einführung des Bibliothekssystems DIBBS bekommt jedes Buch einen Barcode. Das macht die Verbuchung deutlich schneller – und vor allem: weniger mühsam.“
Bestandsaufbau erfordert Platz in den Magazinen
Dann gehen wir eine Etage tiefer. Hier stehen die gleichen Regale vollgepackt mit schwarzen Koffern und alten Braillebüchern. Wie eine dunkle schwarze Wand versperren sie uns die Sicht. „Wir müssen Platz schaffen fürs Umräumen. Alte Koffer werden ausgesondert. Die Bücher müssen Regal für Regal belabelt und auf die verschiedenen Etagen verteilt werden – und das alles noch bevor die umfangreichen Baumaßnahmen am Fahrstuhl beginnen“, sagt Nina-Kathrin Behr und lächelt. Sie ist froh und zugleich stolz darauf, dass der Bestand an Brailleliteratur in den letzten Jahren erweitert werden konnte: „Wir haben Bestand aufgebaut, viel eingekauft und planen auch zukünftig auf Zuwachs. Zur Bestandsaktualisierung gehört auch, dass beschädigte oder kaum benutzte Bücher ausgesondert werden. Während wir uns umsehen, wird klar: Hier muss weitläufig geplant, sortiert und mitgedacht werden, was in der Zukunft gebraucht wird.
Ein Ausleihsystem für alle Medienformate
Wir verlassen die Magazine und erreichen das Zimmer der Bibliotheksleiterin. Nina-Kathrin Behr kommt gleich auf den Punkt und erklärt, was genau hinter der Einführung des Bibliothekssystems DIBBS steckt: „Ich möchte nicht zu technisch klingen. Einfach gesagt, musste die veraltete Datenbank, auf deren Basis Braillebücher bisher katalogisiert und ausgeliehen wurden, ersetzt werden. Sie war mit der bereits für andere Medien (Hörbuch, Großdruck, E-Books) eingesetzten Bibliothekssoftware DIBBS nicht kompatibel. Übrigens: Alle, die bei uns Hörbücher ausleihen, nutzen DIBBS schon lange. Jetzt profitieren endlich auch Nutzende, die gedruckte Braillebücher ausleihen, von den Vorteilen des Systems.“
Ein Braillekatalog mit praktischen Filtern und andere Vorteile
Wir erfahren: Für alle Braillemedien gibt es jetzt einen einzigen Katalog – egal, ob es um gedruckte oder digitale Bücher geht. Nutzerinnen und Nutzer müssen also nicht mehr zwischen verschiedenen Katalogen hin- und herspringen.
Außerdem können ausgeliehene Titel selbst verwaltet werden – online unter „Mein Konto“ und in der App unter „Meine Medien“. Dort sehen Nutzende auf einen Blick, welche Bücher sie in den unterschiedlichen Formaten ausgeliehen haben: Hör- und Großdruckbücher, E-Books, gedruckte Braillebücher oder Bücher im BRL-Format. Sowohl in der dzb lesen-App als auch auf der Website können Titel gefunden, gedruckte Braillebücher bestellt und digitale Medien wie gewohnt heruntergeladen werden.
Auch die Katalogsuche ist komfortabler geworden: Die Filter orientieren sich an denen der Hörbuchausleihe. Dabei bleiben die gewohnten Suchmöglichkeiten des bisherigen Katalogs weitestgehend erhalten. Zusätzlich gibt es neue, richtig praktische Funktionen – etwa die Auswahl von Titeln nach ihrer Bandanzahl oder die Möglichkeit, auf einen Klick alle vorhandenen Werke eines Autors zu entdecken.
Ein weiterer Vorteil: Für die Ausleihe von Hörbüchern, Braillemedien und Co. braucht man nur noch eine einzige Nutzernummer. Ausgenommen sind Musikalien. Viele Nutzende verfügen bereits über diese Nummer. Nur wer bisher ausschließlich gedruckte Braillebücher ausgeliehen hat, bekommt eine neue.
Medibus: Ausleihe im zentralen Bibliothekssystem
Nina-Kathrin Behr blickt zurück und resümiert: „Die Einführung von DIBBS ist ein weiterer Meilenstein beim Aufbau einer modernen Braillebibliothek im dzb lesen.“ Ein Jahr zuvor sei die Ausleihe digitaler Braillebücher im BRL-Format und erster E-Books gestartet. Heute, so sagt sie, habe sich der Bestand deutlich vergrößert: „Inzwischen machen digitale Braillebücher etwa zehn Prozent unserer gesamten Brailleliteratur aus. Und der Anteil soll weiterwachsen – kontinuierlich.“ Auch für alle, die gedruckte Braillebücher ausleihen, habe vor allem die Umstellung auf Ringbindung Vorteile gebracht, betont sie. „So können ausgeliehene Braillebücher schneller nachgedruckt werden – mit modernen Druckautomaten. Außerdem empfinden viele Nutzende die Ringbindung als komfortabler. So kann ein Buch ganz aufgeschlagen werden.“
Zum Abschluss unseres Besuches wirft Nina-Kathrin Behr noch einmal einen Blick auf das große Ganze — dorthin, wo alles zusammenläuft. Denn das lokale Ausleihsystem des dzb lesen ist Teil des zentralen Bibliothekssystems, das die Medibus-Bibliotheken gemeinsam neu geschaffen haben. So können Literaturfreunde nicht nur über die Kataloge des dzb lesen, sondern auch über den Medibus-Katalog (www.medibus.info) nach Brailleschrift-, Hör- und Großdruckbüchern sowie barrierefreien E-Books stöbern. Zur Ausleihe werden sie in die jeweilige Bibliothek weitergeleitet – im dzb lesen nun auf den modernisierten und komfortablen Braillemedienkatalog. Die Bibliotheksleiterin betont: „Bei allen Neuerungen ist uns aber besonders wichtig, dass unsere Nutzerinnen und Nutzer gut beraten werden. Unser Team in der Brailleausleihe beantwortet gern alle Fragen zur Umstellung telefonisch oder per E-Mail.“
Kurz gemeldet
Punkte machen Bilder: 15 Anleitungen für Braillebilder
Dieses Buch lädt zu einer ganz neuen kreativen Erfahrung ein. Unter Anleitung und mit Hilfe des Braille-Alphabetes erstellen Sie taktile Bilder. Hier können Sie 15 Motive in Form und Gestalt punkten: einen Elefanten, Schmetterling, Apfelbaum, Engel, den Eiffelturm… So werden die Punkte des Braille-Alphabetes nicht nur zu Buchstaben und Wörtern, sondern zu Kreisen, Linien und Formen, die ein Bild erschaffen.
Für alle, die die Brailleschrift spielerisch erlernen oder vertiefen möchten. Für Lehrende, die einen kreativen Zugang zur Brailleschrift suchen. Für jeden, der sich selbst und anderen eine Freude bereiten möchte – in Form einer Grußkarte, eines Geschenks oder gemeinsamen Projekts.
Entdecken Sie, dass die Brailleschrift nicht nur lesbar, sondern auch als Bild darstellbar ist.
Buch mit Ringbindung, Braillevollschrift und Großdruck, Verkauf 13355, Preis 20 Euro (netto), Ausleihe 22996
Moni Port: Wie nennt man ein Kaninchen im Fitnessstudio?
Dieses Buch bringt Sie garantiert zum Schmunzeln – denn es steckt voller Rätselwitze und schräger Wortspiele, die zum Um-die-Ecke-Denken verführen. Auf 26 Seiten finden Sie 19 skurrile Scherzfragen, bei denen die Lösung nicht wortwörtlich gemeint ist. Jedes Rätsel ist eine kleine Herausforderung. Lassen Sie ihrer Fantasie freien Lauf – ob Sie die Antwort erraten oder nicht, der Aha-Effekt auf der nächsten Seite ist garantiert!
Für alle, die Sprachspiele lieben, die gern mit der Familie und Freunden rätseln sowie für Wortakrobaten!
Ringbuch mit Spiralbindung, Kunststoffeinband, 26 Seiten, Braillevollschrift und Großdruck, Format 20 x 13 cm, Verkauf 13393, Preis 10 Euro (netto), Ausleihe 23080
Kostenlose Braillenoten für Evergreen „Over the Rainbow“
Auch 2026 macht sich der Förderverein des dzb lesen „Freunde des barrierefreien Lesens e.V.“ für die Braillenotenschrift mit einem ganz besonderen Angebot stark! Bis Ende 2026 können blinde Musikerinnen und Musiker kostenlos die Braillenoten für den Evergreen „Over the Rainbow“ von Harold Arlen in zwei verschiedenen Chorfassungen bestellen: für den gemischten vierstimmigen (SATB) Chor und für den dreistimmigen (SAM) Chor jeweils mit Klavierbegleitung.
Wer die Braillenoten in gedruckter oder digitaler Form bestellen möchte, kann sie per E-Mail unter der Adresse verkauf@dzblesen.de oder telefonisch unter der Nummer 0341 7113119 beziehen. Das Angebot ist kostenlos und gilt bis zum 31.12.26. Ein Berechtigungsnachweis ist erforderlich.
Wer noch mehr Tipps zum Thema Gesang und Stimmbildung sucht, findet diese in den kostenlosen Kursen des Musik-Projekts „Do it!“. In der vierten Lektion des Aufbaukurses in der Rubrik „Gesang“ wird „Somewhere over the Rainbow“ behandelt! Mehr dazu unter: www.do-it-musik.de
Weitere Informationen zum diesjährigen Braillenoten-Special finden Sie unter: https://barrierefreies-lesen.de
Interview
Zwei Köpfe, zwei Stimmen und eine „Radio dzb lesen“
Im August erschien auch in diesem Jahr wieder die „Radio dzb lesen“ im Hörformat – als CD und zum Download. Herausgegeben wird sie vom Förderverein „Freunde des barrierefreien Lesens e.V.“ und richtet sich an alle Nutzerinnen und Nutzer des dzb lesen. Die Radiomacher Tabea Soergel und Martin Becker stellen in spannenden Interviews und informativen Reportagen Menschen rund um das dzb lesen vor, berichten über Projekte sowie neue Produkte aus dem Haus und geben viele Tipps und Hintergrundinformationen. Im folgenden Interview drehen wir den Spieß um: Nicht Martin Becker (MB) und Tabea Soergel (TS) stellen hier die Fragen, sondern beide beantworten sie.
Was machen Sie beruflich, wenn sie die „Radio dzb lesen“ nicht produzieren?
T.S.: Etwas ganz Ähnliches: Ich arbeite fürs Radio, in erster Linie an Sendungen mit Kultur- und Literaturschwerpunkt. Gerade bereite ich zum Beispiel zwei Features über die tschechische Literatur und über die Stadt Ostende und ihre Künstler*innen vor.
M.B.: Ich war zwanzig Jahre lang freier Kulturjournalist und Schriftsteller – vor allem habe ich dabei mit Tabea Soergel zusammengearbeitet, meine beste Kollegin und auch Freundin! Seit Anfang 2026 arbeite ich jetzt fest als Redakteur bei einem öffentlichen Unternehmen, das den digitalen Wandel des Landes als IT-Dienstleister maßgeblich prägt – eine sehr spannende Aufgabe mit einem absoluten Zukunftsthema.
Seit wann geben Sie die „R adio dzb lesen “ heraus? Und wie kam es dazu ?
M.B.: Angefangen hat es mit einer Reportage, die ich im Jahr 2014 über die damalige DZB gemacht habe. Das war als einmalige Sache geplant. Danach hat der Förderverein uns gefragt, ob wir Lust hätten, regelmäßig aus dem Haus zu berichten. Und das hatten wir!
T.S.: Die Aufteilung hat sich dann automatisch ergeben: Die Themen, die wichtig sind, kommen aus dem Haus, die Aufbereitung in Form von Reportagen und der Moderation ist unser Job. Dass wir dieses Jahr schon die zehnte Ausgabe gemacht haben, finde ich aber selbst erstaunlich.
Herzlichen Glückwunsch zur zehnten Ausgabe! Was fasziniert Sie persönlich an Reportagen, Porträts und Gesprächen „fürs Ohr“?
T.S.: Es ist schön, die Begeisterung, die die Leute mitbringen, auch wirklich zu hören. Und es macht natürlich auch unheimlich Spaß, an Orte zu gehen, wo man hört, wie etwas physisch entsteht, zum Beispiel die Druckerei oder die Reliefabteilung des dzb lesen.
M.B.: Die Unmittelbarkeit. Das Audiomedium bringt uns direkt in die Welt, wir können in sie eintauchen und sie hautnah erleben – und die Stimmen der Menschen sind dabei natürlich besonders reizvoll: so individuell, so persönlich, so nahbar. Es wird einfach auch nach über 20 Jahren nie langweilig, weil die Begegnungen mit dem Mikrofon immer neu und überraschend sind – und wir selbst auch immer noch sehr viel lernen dabei.
Wie läuft ein typischer Produktionsprozess der „Radio dzb lesen“ ab?
M.B.: Es beginnt jedes Jahr mit einem Zoom-Gespräch mit Kerstin Küchler, die das Magazin für die „Freunde des barrierefreien Lesens“ inhaltlich betreut und die Interviews koordiniert. Mit ihr besprechen wir die Themen des Jahres, und im Mai sind wir dann für ein paar Tage vor Ort und führen Interviews mit den Mitarbeitenden des dzb lesen.
T.S.: Anschließend gibt es meist noch Online- oder Telefoninterviews, z.B. mit Nutzer*innen für die Homestory, und wenn wir alles im Kasten haben, beginnt das Schreiben der Reportagen. Das übernehme ich. Martin ist für die Produktion zuständig und führt als Moderator durchs Magazin.
Sie haben gemeinsam auch zwei historische Romane geschrieben: „Die Schatten von Prag“ und „Die Feuer von Prag“, in denen Sie den Schriftsteller, Journalisten und Reporter Egon Erwin Kisch ermitteln lassen. Die beiden Bücher führen ins Prag Anfang des 20. Jahrhunderts. Können Sie kurz beschreiben, worum es in beiden historischen Romanen geht?
M.B.: Grob gesagt geschehen in jedem Buch Verbrechen, die wir uns – mit einer Ausnahme – ausgedacht haben, die aber eng mit Prag und der damaligen Zeit verbunden sind. In den „Schatten“ sind es rätselhafte Giftmorde, die die Stadt in Angst und Schrecken versetzen, in den „Feuern“ ist es eine Brandserie vor dem Hintergrund einer realen Spionageaffäre.
T.S.: Und beide Male ist Kisch der Wahrheit mit seiner Kollegin Lenka Weißbach auf der Spur. Lenka hat einen wissenschaftlicheren Blick als er und deshalb im Gegensatz zu ihm eine gesunde Distanz zu den Fällen. Sie muss Kisch immer wieder in seiner Begeisterung bremsen, was ihm nicht gefällt. Trotzdem halten sie aber zusammen wie Pech und Schwefel.
Sie haben sicher sehr viel recherchiert: über die Personen, die Zeit und den Ort Prag . Wie viel vom Journalisten und Kriminalreporter Egon Erwin Kisch, findet man in Ihren Romanen und was ist frei erfunden?
T.S.: Unser Kisch unterscheidet sich in vielen Punkten von Egon Erwin Kisch – er ist schließlich eine Romanfigur. Aber der historische Kisch war tatsächlich Kriminalreporter, und Kriminalreporter haben zu Beginn des 20. Jahrhunderts tatsächlich eher wie Kriminalpolizisten gearbeitet.
M.B.: Und der historische Kisch hat für seine Reportagen wirklich incognito recherchiert und auch wirklich davon geträumt, mit einem Scoop unsterblich zu werden. Was ihm mit der Affäre Redl auch geglückt ist.
Wie gelingt es Ihnen, zu zweit an einem Roman zu schreiben?
M.B.: Wir kennen uns seit über 20 Jahren und arbeiten schon fast genauso lange gemeinsam an Radiosendungen. Bei den Romanen funktioniert es ganz ähnlich wie bei unseren Features: Wir schreiben zusammen Anfang und Ende, und die restlichen Kapitel teilen wir auf. Wir lesen fortwährend, was die oder der Andere schreibt, und können dann in unseren jeweiligen Kapiteln darauf reagieren.
T.S.: Magischerweise hatten wir von Anfang an einen gemeinsamen Ton für die Romane, niemand muss sich verbiegen. Und das Beste ist: Eigentlich ist Romaneschreiben eine sehr einsame Tätigkeit. Wir sind beim Schreiben im ständigen Austausch miteinander, da gibt es gar keine Gelegenheit für Einsamkeit.
Martin Becker, welches Buch empfehlen Sie Ihrer Kollegin Tabea Soergel? Und Tabea Soergel, welches Buch empfehlen Sie Ihrem Kollegen Martin Becker?
M.B.: Ganz ehrlich: Mit drei kleinen Kindern bin ich im Augenblick vor allem im Segment für junge Leser*innen unterwegs. Eine schöne Überraschung, und die wird auch Tabea gefallen: „Iggy Peck, Architekt“, die Geschichte eines Jungen, der trotz widriger Umstände einen Weg findet, seine Kreativität auszuleben.
T.S.: „Übertretung“ von Louise Kennedy. Ein packender, historisch gesättigter Roman über den Nordirlandkonflikt, der von einer unmöglichen Liebe erzählt und sprachlich so schön ist, dass man jeden zweiten Satz unterstreichen will. Ich konnte es zwischendurch kaum aus der Hand legen.
Buchtipp
Radio dzb lesen: Hörbuch, Ausleihe 70432
Die Schatten von Prag: Großdruck, Ausleihe 1192, Braillekurzschrift, Ausleihe 22591
Louise Kennedy „Übertretung“: Hörbuch, Ausleihe 67680
Einblicke
Wie aus einem Roman ein Großdruckbuch wird
Seit April 2023 arbeitet Thomas Schreiter in der Abteilung Braille, Großdruck und E-Book des dzb lesen. Anfangs war er ausschließlich als Vor- und Korrekturleser tätig. Heute liegt sein Schwerpunkt auf der Großdruckproduktion – vor allem aus zwei Gründen: Die Nachfrage nach Büchern in Großdruck steigt. Und immer mehr Titel sollen möglichst zeitgleich als Braille- und Großdruckausgabe erscheinen.
Vom Rohtext zur Druckvorlage
„Inzwischen sind die Übertragungsgrundlagen deutlich besser als noch vor ein paar Jahren“, erzählt er. Früher wurden die Bücher für die Übertragung auseinandergeschnitten, die Seiten herausgetrennt und eingescannt. Heute nutzt das Team, sofern die Verlage digitale Vorlagen bereitstellen, EPUB- oder PDF-Dateien direkt von den Verlagen.
Ziel der Aufbereitung ist eine saubere, einheitliche Datenquelle – die sogenannte Vorstufe, die als Grundlage für alle weiteren Formate dient. Nur so lassen sich später alle Ausgaben – Braille in Voll- oder Kurzschrift, Großdruck oder E-Books – effizient aus einer einzigen Vorlage erzeugen.
Sobald die Vorstufen-Daten vorliegen oder die Bearbeitung für die Braille-Ausgabe abgeschlossen ist, beginnt Thomas Schreiter mit seiner Arbeit. Aktuell bearbeitet er ein Buch, das bereits in Brailleschrift vorliegt und nun auch als Großdruckbuch erscheinen soll. Auf seinem Bildschirm scrollt er durch Textpassagen, die wie Programmiercode wirken. Die Textstellen müssen so gekennzeichnet werden, dass die Struktur des Originals erhalten bleibt, die Lesbarkeit im Großdruckformat aber deutlich verbessert wird. Dabei hält er sich an ein festgelegtes Regelwerk, das eine einheitliche Umsetzung sicherstellt: „Man kann Bücher individuell gestalten, hat aber bestimmte Vorgaben zu beachten, die unserem hausinternen Standard zugrunde liegen.“
Ein Beispiel zeigt er auf seinem Bildschirm: Dort ist ein Brief in verschnörkelter Handschrift zu sehen. Mit der Software kennzeichnet er ihn so, dass der Text später eingerückt und mit einer durchlaufenden Linie am linken Rand erscheint.
Ein weiteres Gestaltungsprinzip bei der Übertragung von Großdruckbüchern ist der sogenannte Flattersatz. Dabei entstehen unterschiedlich lange Zeilen, da Wörter nicht getrennt werden – außer es handelt sich um zusammengesetzte Wörter.
Auch die Schriftgröße spielt eine wichtige Rolle: Im dzb lesen beträgt sie standardmäßig 17 Punkt, einige Bücher werden sogar in 20 Punkt umgesetzt. Die Schriftart beeinflusst ebenfalls die Lesbarkeit. Für Großdruckbücher wird die speziell entwickelte, serifenlose Schriftart „Tiresias“ eingesetzt – ihr minimalistisches Design erleichtert das Lesen.
Manchmal wird es knifflig
Nicht jeder Roman stellt die gleichen Anforderungen. Besonders gern erinnert sich Thomas Schreiter an die Bücher von Sebastian Fitzek: „Er hat sehr viele Elemente drin – mal verschiedene Schriften, mal Großbuchstaben, mal Schreibschrift. Das ist eine strukturelle Herausforderung. Es macht aber auch Spaß, weil man sich mehr Gedanken machen muss, wie werde ich dem Buch gerecht.“ Bei solchen Titeln tauscht sich das Team aus und entwickelt gemeinsam eine passende Lösung.
Viele kleine Schritte bis zum fertigen Buch
Aus dem fast 1.000 Seiten starken Roman „Flammengeküsst“ werden mehrere kompakte Bände. Sie sollen möglichst mit einem neuen Kapitel beginnen und nicht mitten in einer spannenden Szene enden. Die Aufteilung ist klar geregelt: Maximal 250 Seiten passen in einen Band, deshalb muss vorher eine sinnvolle Trennung erfolgen.
Mehrere Wochen Arbeit stecken in jedem Großdruckbuch – von der digitalen Aufbereitung über die Korrekturlesung bis zur finalen Druckvorlage. Erst wenn Thomas Schreiter alle Korrekturen eingearbeitet hat und der letzte Check erfolgt ist, legt er die Datei in der internen Datenbank ab. Das Buch ist fertig und geht in den Verkauf und die Ausleihe.
Und Thomas Schreiter? Er arbeitet bereits am nächsten Titel, denn die Nachfrage nach Großdruckbüchern wächst. Für die Zukunft wünscht er sich, dass Großdruckbücher möglichst zeitnah nach Erscheinen des Originals verfügbar sind. Gleichzeitig soll die Sorgfalt erhalten bleiben, die jedes einzelne Buch braucht. Aus dem „Ziegelstein“, den er zu Beginn lachend in die Höhe gehalten hat, sind am Ende zehn kompakte Großdruckbände geworden. Was später ganz selbstverständlich aussieht, ist das Ergebnis unzähliger Entscheidungen – von der ersten Datenaufbereitung bis zur finalen Druckvorlage.
Drei Großdruck-Lesetipps von Thomas Schreiter
Sebastian Fitzek: Mimik, 3 Bände, Ausleihe: 703, Verkauf: 12485
Liz Kessler: Als die Welt uns gehörte, 3 Bände, Ausleihe: 651, Verkauf: 12248
Stefan Kuhlmann: Herr Winter taut auf, 3 Bände, Ausleihe: 671, Verkauf: 12305
Nachgefragt
Schon von der dzb lesen-App im sehr einfachen Modus gehört?
Seit Kurzem besitzt die dzb lesen-App eine neue Funktion, den sehr einfachen Modus. Welchen Zweck dieses Feature hat, für wen es nützlich sein kann und wie es zu bedienen ist, lesen Sie im folgenden Interview mit Liane Völlger, Mitarbeiterin im Team LOUIS, unserer Technikberatung.
Warum wurde ein sehr einfacher Modus für die dzb lesen-App entwickelt?
Der sehr einfache Modus in der dzb lesen-App soll Menschen, die mit Technik nicht so viel Erfahrung haben, einen einfachen und unkomplizierten Zugang zu Hörmedien ermöglichen. Der sehr einfache Modus ist im Prinzip eine reduzierte Player-Ansicht, mit deren Hilfe eine vorher nach Themengebieten festgelegte Titelliste automatisch abgespielt wird. Deshalb hat dieser Modus keine komplexe Bedienoberfläche, keine überflüssigen Buttons und ist leicht zu bedienen.
Wie sieht die Bedienoberfläche des sehr einfachen Modus konkret aus?
Das Abspielen über den sehr einfachen Modus hat nur einen Play-Button bzw. einen Pause-Button. Der Titel des aktuellen Buches wird angezeigt und wo ich mich zeitlich gerade in dem Buch befinde. Hinzukommt ein Button zum Verlassen des Modus.
Wie funktioniert der sehr einfache Modus in der App?
Den Modus muss man zunächst in den Einstellungen der App aktivieren, in dem der Button „Sehr einfacher Modus“ ausgewählt wird. Zusätzlich wird man aufgefordert, sich für mindestens ein Themengebiet in der Einstellung „Bücher automatisch bereitstellen“ zu entscheiden. Die App stellt dann alle Titel zu diesem Themengebiet bzw. weitere zu anderen ausgewählten Themengebieten zusammen. Diese stehen nach einem Tag unter „Meine Medien“ bereit. Themengebiete sind zum Beispiel: „Aktuelle Bestseller“, „Geschichte und Zeitzeugenberichte“, „Gesund leben und Wohlbefinden“, „Herzgeschichten und Familienromane“, „Krimis und spannende Detektivgeschichten“ usw. Es stehen immer bis zu fünf ausgeliehene Hörbücher zur Verfügung. Sind diese gehört, werden die nächsten fünf Titel automatisch abgespielt. Die App spielt ein Hörbuch nach dem anderen ab. Die Nutzerinnen bzw. Nutzer haben keinen Einfluss auf die Reihenfolge der Titel. Sie haben keine Möglichkeit im Buch zurückzugehen oder ein Buch auszulassen. Die Rückgabe erfolgt automatisch.
Es ist aber auch möglich, dass Nutzer anrufen und uns ihre Wünsche für ihre automatisch erstellte Bestellliste mitteilen: z. B. „Ich möchte immer die neuesten Bücher von Charlotte Link, oder schicken Sie mir immer die Bücher der Highland-Saga …“
Übrigens kann dieser sehr einfache Modus auch wieder deaktiviert werden. Dazu muss der Schieberegler über den Themengebieten auf inaktiv gestellt werden.
Wer hat den sehr einfachen Modus entwickelt?
Der sehr einfache Modus wurde von mehreren Beteiligten entwickelt: vom dzb lesen, der Blista in Marburg sowie dem Softwareunternehmen visorApps GmbH aus Dresden. Dabei sind wir an die Firma herangetreten und haben unsere Vorstellungen bzw. Wünsche dazu genannt, welche Funktionen das Feature haben soll. Die Programmierung der neuen Funktion „Bücher automatisch bereitstellen“ erfolgte über das Bibliothekssystem DIBBS und kann von allen Nutzerinnen und Nutzern der App verwendet werden, die sich gern mit Hörbüchern zu einem ausgewählten Thema fortlaufend beliefern lassen wollen.
Hat nur das dzb lesen den sehr einfachen Abspielmodus in seiner dzb lesen-App?
Nein, jede Bibliothek, die zur Medibus-Gemeinschaft gehört und die aktuellste Version ihrer App anbietet, hat das Feature „sehr einfacher Modus“ in ihrer App. Ausgeliehene DAISY-Bücher können damit einfach nur mit Play/Pause abgespielt werden. Bei den meisten Bibliotheken können Nutzende in der App zudem selbstständig Themengebiete auswählen, über welche automatisch Nachschub an DAISY-Büchern zum Abspielen ausgeliehen werden. Nutzende sollten in ihrer Bibliothek nachfragen, ob die Titelauswahl in der App angeboten wird. Ebenso können Nutzende bei verschiedenen Bibliotheken vereinbaren, dass die Bibliothek noch spezifischere Themengebiete nach dem Interesse der Nutzenden für die automatische Ausleihe in ihrer Bestellliste einträgt.
Kalenderblätter
Reliefkalender 2027: Auf Entdeckungsreise in die Tiefsee
In den Tiefen der Ozeane, in absoluter Dunkelheit und unter extremen Bedingungen tummeln sich die skurrilsten und merkwürdigsten Lebewesen, die an Seeungeheuer und unglaubliche Kreaturen erinnern. Sie haben sich perfekt an ihren Lebensraum angepasst, der uns Menschen so geheimnisvoll erscheint, weil er so schwer zugänglich und gefährlich zu erforschen ist. Diese Meeresbewohner sind weder schön noch farbenfroh, haben geheimnisvolle Namen, vor allem aber besitzen sie ganz besondere Fähigkeiten, mit deren Hilfe sie in der Tiefsee überleben können.
Entdecken Sie mit unserem Reliefkalender 2027 „Leben in der Tiefsee“ die geheimnisvolle Welt der Tiefsee und bestaunen Sie Monat für Monat deren wundersame Bewohner, wie z. B. die Yeti-Krabbe, den Laternenfisch, den Ferkelkalmar und die Rippenqualle. Erfahren Sie Wissenswertes über deren Leben und Aussehen sowie darüber, was sie so einzigartig macht – etwa die geniale Abwehrstrategie der Kronenqualle oder die Leuchttechnik des Anglerfisches, der seine Beute anlockt.
Die kurzen Texte in Braille- und Schwarzschrift ergänzen die farbigen Fotos, die das bizarre Aussehen der Tiefseebewohner präsentieren. Darüberliegende transparente Folienreliefs ermöglichen zudem ein haptisches Erlebnis für alle – egal ob sehend oder blind.
Gehen Sie auf Tauchgang in die Tiefen der Ozeane – mit unserem Reliefkalender 2027!
Format 26,5 x 33,5 cm als Ringblock mit Aufhängung, Verkauf 13051, Preis 26,90 Euro (netto)
Passend dazu unser Buchtipp
Matt Ralph: Tiefsee-Monster: Sonderbare Meeresbewohner und ihre Geheimnisse
Gestreifter Seewolf, Vampirtintenfisch oder Phantomqualle – dieses Buch wimmelt nur so von Tieren mit gefährlich klingenden Namen. Sie haben einzigartige Eigenschaften und viele Besonderheiten. Manche sind Vegetarier, manche werden bis zu 500 Jahre alt, manche leuchten im Dunkeln und wieder andere haben so lange Zähne, dass sie ihr Maul nicht schließen können. Mit spannenden Fakten präsentiert das unterhaltsame Kinderbuch ihre merkwürdigsten Bewohner.
1 Band Vollschrift/Kurzschrift, Verkauf 13374/13375, Ausleihe 23126/23127, Preis 14 Euro
Im Set: Reliefkalender 2027 mit Buch in Vollschrift (13409), in Kurzschrift (13410), in Großdruck (13411), Preis je Set 35 Euro
Preisrätsel: Gewinnen Sie einen Reliefkalender 2027
Mit etwas Glück können Sie in dieser Ausgabe den Reliefkalender 2027 gewinnen. Entscheiden Sie, ob folgende Aussagen richtig oder falsch sind und schicken Sie Ihre Lösungen unter dem Kennwort „in puncto Quiz“ per Mail oder Post bis spätestens 6. November 2026 an das dzb lesen (Adresse siehe Impressum). Aus den richtigen Antworten verlosen wir drei Gewinner. Viel Spaß!
Richtig oder falsch?
- Der Glaskopffisch hat einen durchsichtigen Kopf! Man kann tatsächlich sein Gehirn sehen! Seine Augen können sich in seinem durchsichtigen Kopf drehen, um in alle Richtungen nach Beute Ausschau zu halten.
- In der Tiefsee, etwa bei 3000 bis 4000 Metern, gibt es heiße Quellen am Meeresboden! Diese nennt man hydrothermale Schlote – sie sind wie Unterwasservulkane, die heißes Wasser ausstoßen. Dieses Wasser ist über 400 Grad Celsius heiß!
- Der Tiefsee-Anglerfisch verkleidet sich als harmlose Qualle, indem er seine Haut wie einen durchsichtigen Schirm aufbläst.
- Der Tiefseetaucher Jacques Cousteau hat es bis zum Boden des Marianengrabens (fast 11.000 m), der tiefsten Stelle der Ozeane, geschafft. Er ist tatsächlich selbst in einem speziellen U-Boot zum Boden des Marianengrabens getaucht!
- Pinna nobilis, die größte Muschel am Meeresboden, ist berühmt für ihren Faserbart, aus dem von goldenem Vlies bis hin zu Feuerwehrjacken schon viele Kostbarkeiten produziert worden sind. Im 18. Jahrhundert gab es für den heute fast vergessenen Stoff einen wahren Muschelseidenmarkt.
- Viele Meeresbewohner können selbstständig Licht erzeugen, zum Beispiel der Laternenfisch, bei dem die Lichtzellen zu besonderen Strukturen in der Haut angeordnet sind. Andere tragen ihre Leuchtorgane an einer Art Stiel vor sich her.
- Um Kabel, Geräte, Kameras oder Roboter von der Wasseroberfläche in 8000 Meter Tiefe hinabzulassen und hochzuholen dauert es 3 Tage.
Seitenwechsel
Kornelia Faber: „Ihre Bücherei habe ich erst durch meinen Onkel kennengelernt“
In „Seitenwechsel“ kommen Nutzerinnen und Nutzer des dzb lesen zu Wort. Sie haben von überall in Deutschland zu uns gefunden und nehmen unser Leseangebot in Anspruch. Hier stellen Sie sich vor.
Frau Faber, s tellen Sie sich bitte einmal vor!
Mein Name ist Kornelia Faber und ich wohne in Duisburg. Ich bin fast 68 Jahre alt und geburtsblind. Ich habe als Schreibkraft für verschiedene Abteilungen bei der Stadtverwaltung in Duisburg gearbeitet. Nun genieße ich seit 2024 die Rente. Ich mache Radio beim Ohrfunk und kümmere mich – soweit es mir möglich ist – um Flüchtlinge in Duisburg. Ich reise gern und liebe Fremdsprachen. Ich habe jetzt mein Russisch aufgefrischt, das ich 12 Jahre an der VHS mit Sprachkursen in Petersburg gelernt habe.
Warum nutzen Sie das dzb lesen? Was verbindet Sie persönlich mit unserem Haus?
Lesen war schon als Kind meine Leidenschaft gewesen: von Zeitschriften bis hin zu Büchern. Ich habe auch gerne an Lesewettbewerben meiner Blindenschule in Düren teilgenommen. Dort hatten wir eine Bücherei, die ich regelmäßig belagert habe. Als Kind habe ich gerne Abenteuerromane gelesen wie die Bücher von Karl May u. a. Ich habe immer davon geträumt, mit dabei sein zu können, insbesondere die Indianer hatten es mir angetan.
Ihre Bücherei habe ich erst durch meinen Onkel kennengelernt, der in der damaligen DDR lebte und mir immer Bücher schenkte. Später besorgte er mir Wörterbücher für Russisch, weil ich mich neben Englisch sehr für Russisch interessierte, was selten war hier im Westen. Später war ich dann Nutzerin im dzb lesen und bei der Blindenbücherei in Hamburg, die aber keine Punktschriftbücher mehr zur Verfügung stellt, so dass ich jetzt nur noch Ihnen gewogen bin.
Welchen Bereich bzw. welche Person im dzb lesen würden Sie gern mal kennenlernen und warum?
Kennenlernen würde ich gerne mal Herrn Kampa und Herrn Krüger. Herrn Kampa, weil er mir am Telefon einen sehr sympathischen Eindruck macht und Herrn Krüger, um mich mal sprachlich auszuprobieren. Ich lese nämlich, wenn ich bekommen kann, auch Bücher auf Englisch und Russisch.
Sie sind also eher Brailleschriftleserin . Mögen Sie auch Hörbücher ? Und sind Sie eher analog oder digital unterwegs?
Ich bin leidenschaftliche Brailleleserin. Mit Hörbüchern habe ich keine Geduld und schlafe nach fünf Minuten ein, auch wenn es noch so spannend ist. So ging es mir früher auch, wenn vorgelesen wurde im Internat. Auch für lange Wortbeiträge habe ich keine Geduld. E-Books würde ich schon lesen, wenn es einen E-Book-Reader mit integrierter Braillezeile gäbe, den ich mit auf die Couch oder ins Bett nehmen kann, denn ich lese nicht gern am PC. Für Handys und Tablets sind die Braillezeilen meistens zu klein und ich finde diese Tablets oder iPads sehr unhandlich, wenn man auf der Couch oder im Bett liest.
Welche Art von Literatur lesen Sie heute am liebsten?
Heute reicht mein Leseinteresse über alle Genres hinaus, z. B. Liebesromane, historische Romane, Biografien, auch mal Gedichtbände, Krimis, Abenteuerromane, Reiseberichte, Politthriller und auch politische Literatur. Leider habe ich ein nicht so gutes Namensgedächtnis, was die Schriftsteller angeht.
Welches Buch, das Sie sich im dzb lesen ausgeliehen haben, bleibt Ihnen in einer ganz besonderen Erinnerung?
Oh, es gibt da einige, die mir sehr in Erinnerung sind: Da ist zum einen die Trilogie von Kathrin Wildenberger über den Zusammenbruch der DDR, die ich gerade gelesen habe, da ich selber auch Verwandte in der ehemaligen DDR habe, und zwar in Rostock. Dann sind es die Bücher, soweit es sie in Braille gibt, zum Thema Umweltkrise von Dirk Rossmann sowie „Russland verstehen“ von Gabriele Krone-Schmalz. Auch „Breaking News“ von Frank Schätzing ist mir sehr in Erinnerung geblieben, weil es sehr packend war. Es gäbe noch einige mehr, aber das würde den Rahmen sprengen.
Wenn auch Sie an dieser Stelle unsere Fragen gern beantworten möchten, dann schreiben Sie uns (presse@dzblesen.de) oder rufen uns unter 0341 7113-148 an.
Gelesen und empfohlen
Zwischen Stalinismus und Prager Frühling
Der Roman versetzt uns zurück in die heißen Sommermonate der Fünfzigerjahre im kommunistisch regierten Prag. Jana Honzlová, eine junge Sängerin, arbeitet in einem folkloristischen Musikensemble und träumt von einer Karriere als Solosängerin. Doch statt mit dem Ensemble auf Tournee zu gehen, wird sie dazu verpflichtet, den Sommer über im Betriebsbüro den Telefondienst zu übernehmen. Ihr Vater ist ins westliche Ausland geflohen, weshalb sie von den Behörden keine Reiseerlaubnis erhält.
Der Roman erzählt ein tragisches Stück Zeitgeschichte zwischen Stalinismus und Prager Frühling. Denunziantentum und Parteiwillkür bestimmen den Alltag der Protagonistin. Wer hier jedoch einen traurigen Roman erwartet, wird überrascht: Die mitreißende Art und die unverblümte Sprache der Ich-Erzählerin machen das Buch zu einer unterhaltsamen Lektüre.
CD DAISY (11:38 h), Ausleihe 67186, Braillekurzschrift, 4 Bände, Ausleihe 23167
Technik getestet
Auch Handy-Nutzer haben einen grünen Daumen
Ein ganzer Schrank bei mir zuhause steht voll mit Garten- und anderen Pflanzenbüchern, die ich leider nicht mehr lesen kann. Früher habe ich mir da gern mal Anregungen geholt oder nachgesehen, was im entsprechenden Monat zu tun ist. Für Menschen, die in normaler Schrift Gedrucktes nicht mehr lesen können, gibt es da neben Mailinglisten, einer Hörzeitschrift und Büchern in Braille oder DAISY auch die Möglichkeit, sich über die Funktionen des Handys zu informieren. Ich habe mich einmal näher mit den Möglichkeiten auf iPhone und Smartphone beschäftigt und möchte Sie, liebe Leserinnen und Leser, gern in diesem Beitrag an meinen Erkenntnissen teilhaben lassen.
Was habe ich getestet?
Drei Apps, die sowohl unter Android als auch unter iOS verfügbar sind.
Plantnet
Diese App ist stark visuell orientiert, für blinde und stark seheingeschränkte Menschen halte ich sie deshalb für nicht gut geeignet. Sie hat ein weltweites Netzwerk und man erfährt viel, auch über z. B. invasive Pflanzen oder, wenn man auf Reisen ist, die Flora anderer Kontinente. Als Bestimmungsapp für meine Garten-, Balkon- und Zimmerpflanzen oder auch als App nur beim Spazierengehen in der Natur ist sie für mich nicht geeignet, und ich werde sie, wenn ich diesen Artikel für Sie geschrieben habe, wieder von meinem Handy löschen.
Wichtig ist bei der Pflanzenbestimmung ja immer, wie gut sichtbar die Pflanze ist. Plantnet geht da ins Detail, man soll die Pflanze in ihren einzelnen Bestandteilen fotografieren, also das Blatt, die Blüte… Das dürfte für die meisten von uns ein Problem werden.
Flora incognita
Diese App ist von der TU Ilmenau und dem Max-Planck-Institut für Biogeochemie entwickelt worden und wesentlich besser für blinde und sehbehinderte Nutzer zu bedienen. Bei der Einrichtung, man kann sich auch ein Gastprofil anlegen, ist sehende Hilfe erforderlich, aber dann kann man die App sowohl mit VoiceOver als auch mit TalkBack relativ gut bedienen. Die App beschäftigt sich vorwiegend mit Wildpflanzen, ca. 30.000 Arten sind bereits in der Datenbank, auch zunehmend Kulturpflanzen. Der Vorteil: Man benötigt nur ein Bild für eine sekundenschnelle Pflanzenbestimmung, kann aber auch mehrere Fotos machen. Die App kann auch offline verwendet werden, die Pflanzenbestimmung erfolgt dann, sobald wieder eine Internetverbindung bereitsteht.
Es handelt sich um eine App, die für wissenschaftliche Zwecke entwickelt wurde. Sie ist aber auch für Laien gut verständlich und anwendbar. Flora incognita ist komplett kostenlos und wird es aufgrund ihrer universitären Anbindung sicher auch bleiben.
PictureThis – eine kostenpflichtige App
Um es gleich vorweg zu sagen: PictureThis ist nach einer kostenlosen Probezeit von 7 Tagen nur für Geld zu haben: 2,99 Euro im Monat oder knapp 35 Euro im Jahresabo. Sie ist aber auch jederzeit kündbar und man erhält dann für den Rest des Jahres eine Rückerstattung. Eigentlich bin ich kein Freund von Abonnements. Aber, dass man für eine gut entwickelte App auch mal etwas bezahlen kann, dieser Meinung bin ich schon. Ich habe mir privat diese App gegönnt, weil sie eine ganze Menge Funktionen hat, die mir oben genannte Garten- und Pflanzenbücher ersetzen. Man kann – natürlich – Pflanzen bestimmen (Zimmerpflanzen, Balkonpflanzen, Wildkräuter, Bäume…). Man erfährt, ob die Pflanze gesund oder krank aussieht, ob sie giftig für Mensch oder/und Haustier ist. Man kann sich einen Pflegeplan für all seine Pflanzen anlegen. Man kann sich Pflanzen empfehlen lassen, die für bestimmte Lichtverhältnisse geeignet sind. Es macht einfach Spaß, sich sein eigenes Pflanzentagebuch zu erstellen. Und mal ehrlich, wie viel Geld habe ich einst für Pflanzenbestimmungsbücher und Gartenratgeber oder sogar eine monatliche Zeitschrift ausgegeben?
Mit VoiceOver ist die App relativ gut bedienbar, bei meinem Samsung-Handy gab es leider ein Problem bei der Pflanzenbestimmung mit der Kamerataste. Ich denke aber, dass man hier auch einmal an die App-Entwickler herantreten kann, um eine eventuell nicht stimmige Schalter-Beschriftung zu korrigieren.
Bestimmung über verschiedene KI-Modelle
Das ist das, was immer bleibt: die Bestimmung über Gemini, ChatGPT, Grok und andere. Auch die App Flora Incognita arbeitet ja mit KI. Mittlerweile bringen die verschiedenen KI-Modelle relativ zuverlässige Ergebnisse bei der Pflanzenbestimmung und, wenn man weiter fragt, auch Pflegehinweise. Ich nutze selbst auch sehr gern KI, aber eher nur für die Faktenrecherche. Wer also weder Geld ausgeben noch sich mit einer zusätzlichen App beschäftigen möchte, ist mit der Bestimmung über KI auch gut bedient.
Apps, die auch helfen
Auch die App „Be my eyes“ und die App „PiccyBot“ habe ich getestet. Beide haben mir zuverlässig meine Balkonpflanzen bestimmt.
Fazit
Mit den verschiedenen KI-Modellen und herkömmlichen Bilderkennungsapps kommt man bei der Bestimmung seiner Zimmer- und Balkonpflanzen oder von Pflanzen in der freien Natur recht weit. Ist man ein Hobbygärtner, egal ob für die Wohnung, den Balkon oder Garten, kann man gut auch mal über eine App im Abo nachdenken. Wie gesagt, so mancher abonniert eine Gartenzeitschrift. Ich bleibe jedenfalls noch eine Weile bei PictureThis. Wer eine fachspezifische App nutzen möchte, ist mit der kostenlosen Flora incognita gut beraten.
Für Fragen zu diesem Artikel, aber auch für alle anderen technischen Anwenderfragen zu dzb lesen-Services steht Ihnen das Beratungsteam LOUIS unter louis@dzblesen.de oder 0341 7113-0 gern zur Verfügung.
Fragebogen
Sechs Fragen – sechs Antworten
Was ist Ihre Aufgabe im dzb lesen?
Ich arbeite im Empfangsbereich des dzb lesen. Zu meinen Aufgaben gehören das morgendliche Aufschließen des Hauses, das Empfangen von Gästen, die Schlüsselausgabe an die Mitarbeitenden, die Organisation von Führungen sowie allgemeine Verwaltungs- und buchhalterische Tätigkeiten. Außerdem ist es mir wichtig, den Mitarbeitenden zum Arbeitsbeginn ein Lächeln zu schenken.
Welche Arbeit haben Sie gerade auf dem Tisch?
Eine Rechnung für die Buchhaltung und die Beantwortung dieser Fragen.
In meiner Freizeit beschäftige ich mich am liebsten mit …
… unserer Katze, dem Nähen von Kleidern und Kostümen, Lesen, Besuchen von Burgen und Schlössern inklusive Mittelalterveranstaltungen, Wandern im Wald und in den Bergen.
Welche drei Dinge würden Sie auf eine Insel mitnehmen?
Meinen geliebten Gefährten, meine Katze, all meinen Lesestoff …
Haben Sie ein Buch, das Sie empfehlen können?
Nur eins? Die „Weitseher-Chroniken“ von Robin Hobb. Das Buch empfehle ich, weil der Protagonist mir so ähnlich ist und ich ihm durch so viele Bände emotional so nah war. „Das Lied des Blutes“ von Anthony Ryan ist ein weiteres Buch, das mir gefällt, weil der Protagonist so ganz anders ist als ich und ich trotzdem mit ihm so emotional verbunden war.
Ihr Lebensmotto?
Was soll ich sagen? Ich bin Sternzeichen Schütze – die geborene Daueroptimistin. Mein Motto lautet: „Das Glas ist nie halbleer, sondern immer halbvoll!“
Rätsel
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Wir wollen wissen: Wie heißen die Herausgeber der „Radio dzb lesen“?
Schicken Sie Ihre Antwort bis zum 6. November 2026 per E-Mail (presse@dzblesen.de) oder per Post an: dzb lesen, Kennwort: Rätsel „in puncto dzb lesen“, Gustav-Adolf-Straße 7, 04105 Leipzig.
Das können Sie gewinnen: einen Taschenkalender in Braillekurzschrift oder Großdruck.
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des dzb lesen können nicht teilnehmen. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
Auflösung aus 2/2026
Die richtige Antwort lautet: Fünf Lesehefte. Die glückliche Gewinnerin heißt: Ria Becker. Herzlichen Glückwunsch!
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